Freitag, 04.01.2019

Afehyia Pa!

In den vergangenen zwei Wochen bekam ich diesen Ausruf immer häufiger zu hören und nachdem ich schnell herausgefunden hatte, was es bedeutet, konnte ich den Menschen hier auch endlich Frohe Weihnachten wünschen. Genauer gesagt „Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr“, das ist es nämlich, was „Afehyia Pa“ bedeutet.

Weihnachten in Ghana. Ich gebe zu, ich hatte ein klein wenig Bammel vor den Weihnachtstagen. In Deutschland waren das immer die drei Tage, an denen man so viel Zeit mit der Familie verbrachte, wie sonst fast nie im Jahr und jetzt, so weit weg von all den lieben Menschen, sollte man alleine Weihnachten feiern? Mit einer anderen Familie? Das kam mir schon ein bisschen komisch vor.

Nichtsdestotrotz war ich natürlich extrem gespannt darauf, wie hier in Ghana Weihnachten gefeiert wird, das ist so ein Erlebnis, bei dem man wirklich etwas von der anderen Kultur mitbekommt und über sie erfährt. Dachte ich zumindest. Ich hatte schon durch vorheriges Fragen meiner Gastmutter und meiner Nachbarin herausgefunden, dass die Menschen hier zwar extrem gläubig sind, Weihnachten aber trotzdem nicht übermäßig groß feiern. Der 24.12. sei noch ein ganz normaler Tag, am 25. gehe man morgens in die Kirche mit anschließendem gemeinsamen Familienessen und die folgenden Tage komme entweder Familie zu Besuch oder man fahre zu ihnen.

Soviel zur „Theorie“. Die Praxis sah ein wenig anders aus: Da Thilo und ich jetzt wussten, dass an dem Tag, den unser deutscher Teil der inneren Uhr noch immer als Weihnachten eingeplant hatte, keine Besonderheiten vorgesehen waren, haben wir kurzerhand beschlossen, an diesem Tag selber zu kochen. Somit wurde nach dem Frenchtoast am Morgen (mit deutscher Marmelade und einem mini bisschen Nutella!) gleich für die Curry-Pfanne am Abend eingekauft. Auch wenn es unserer Gastmutter nicht wirklich geschmeckt hat, fand ich es einfach genial! Abends ging es dann mit Prince zusammen nach Koforidua, wo um die Weihnachtstage herum wohl jedes Jahr groß Party gemacht wird. Es waren wirklich Unmengen an Menschen auf der Straße, aus jeder Ecke schallte einem laute Musik entgegen und alle waren gut drauf. Auch wenn wir in dem Getümmel keine Chance hatten, Mohammed, mit dem wir uns dort treffen wollten, zu finden, war es trotzdem ein schöner Abend, wenn auch sehr sehr anders, als ich ihn in Deutschland verbracht hätte. Aber anders ist ja bekanntlich nicht gleich schlecht ?.

Am folgenden Tag fiel der mehr oder weniger geplante Kirchenbesuch dann aus - unsere Mutter hatte keine Lust, in die Kirche zu gehen, da sie am vergangenen Sonntag bereits dort war und ihr das sonst zu viel wäre. Auch gab es kein gemeinsames Essen, dessen Ausfall ich persönlich noch viel mehr bedauerte, als den der Kirche. Da wir eh nicht sonderlich großen Kontakt mit unserer Familie haben, hatte ich mir wohl erhofft, zumindest an diesem Tag etwas mehr mit ihnen unternehmen zu können. Naja, ich habe wohl in den vier Monaten noch immer nicht richtig gelernt, mir keine Hoffnungen mehr zu machen, am Ende wird man leider doch meistens enttäuscht. Ghanaer ändern nämlich schneller ihre Meinung und Pläne als die Sonne hier unter geht und das soll was heißen ?.

Trotz des verkorksten Tages, gab es am Abend dann noch Geschenke für unsere Gasteltern und -Geschwister, die sich alle wirklich gefreut haben, bevor wir auch unseren Kindern im Heim eine Kleinigkeit zu Weihnachten vorbeibrachten. Abends gings dann wieder nach Koforidua (diesmal ohne Thilo und Prince), wo ich mich mit Mohammed, Ernest und einer anderen Freiwilligen treffen wollte. Zwar kamen diese an dem Tag auch tatsächlich, allerdings musste ich wieder einmal ziemlich lange auf die Herrschaften warten. Lustigerweise kam aber eine Betreuerin, Benedicta, aus dem Waisenhaus vorbei, während ich wartend am Treffpunkt saß, die mich dann zu sich und ihrer Begleitung, einem Mann aus Bangladesch, an den Tisch einlud, damit ich nicht alleine herumsitzen musste. Noch viel lustiger wurde es dann aber, als Mohammed und Ernest endlich kamen und sich herausstellte, dass sie und Benedicta ziemlich beste Freunde sind. Den Abend verbrachten wir dann ganz gemütlich zu sechst und auch wenn wir eine sehr bunt gemischte Gruppe waren, verstanden wir uns alle echt super.

Die Tage zwischen den Jahren waren ziemlich ruhig, wir waren bisschen schwimmen, in Koforidua bummeln oder einfach nur im Haus zum lesen und spielen. Abends bin ich in diesen Tagen ins Waisenhaus gegangen, wo ich von den Kindern ganz schön in Anspruch genommen wurde, was aber durchaus sehr schön war. Vor allem, weil ich nicht nur Spielgefährte war, sondern ihnen wirklich helfen konnte, sei es mit Wasser holen, Fegen, Wischen oder Baden. Genug Zeit zum Kuscheln und Blödsinn machen blieb da natürlich immer noch.

Über Silvester ging es dann (mal wieder) nach Cape Coast, wo mit den anderen Freiwilligen ins neue Jahr gefeiert wurde. Es ist einfach immer wieder herrlich dort, die Tage wurden total entspannt mit faulenzen, essen, schwimmen und Volleyball spielen verbracht und nebenbei tat es einfach mal wieder gut, sich mit den anderen auszutauschen und Zeit mit ihnen zu verbringen.

Und als ich dann um Mitternacht am Strand stand, mit Sand zwischen den Zehen, vor mir das Meer, über mir das Feuerwerk, das dank des deutsch-türkischen Inhabers des Hotels abgefeuert wurde, und um mich herum meine neuen Freunde, da war ich schon ziemlich glücklich und konnte das alles irgendwie gar nicht richtig fassen.

Und wenn ich jetzt so zurückdenke, ist es inzwischen auch schon wieder über ein Jahr her, dass ich mich für dieses Projekt in Ghana beworben habe, was mir eigentlich noch gar nicht allzu lange her erscheint. Total verrückt!

Morgen geht es jetzt aber erstmal auf zu meiner ersten wirklich großen Reise: hoch in den Norden! Davon berichte ich dann aber mehr, wenn ich wieder zurück bin.

PS: Da es natürlich auch hier in Ghana viele Obdachlose auf den Straßen gibt, hat der Gastbruder eines Freiwilligen, der Koch ist, ein Projekt ins Leben gerufen, bei dem Essen an die Bedürftigen ausgegeben wurde. Hierfür haben Thilo und ich uns Mitte Dezember mit vielen anderen Freiwilligen in Agona Swedru getroffen, um dem Projekt beizuwohnen. Ich persönlich war von Anfang an von der Idee mehr als begeistert und wurde auch nicht enttäuscht. Auch wenn es sehr heiß war an diesem Tag und wir mehrere Stunden mit Essensbeuteln durch die Straßen gelaufen sind, wurde man jedes Mal mit den glücklichen Gesichtern der Menschen belohnt, die sich über den gebratenen Reis und das Wasserpäckchen total gefreut haben.