Dienstag, 16.10.2018

Dies und das und eine Schimmel-Matratze

In den deutschen Supermärkten stehen schon Spekulatius und Lebkuchen in den Regalen, das Laub färbt sich bunt und fällt von den Bäumen und nicht nur die Igel bereiten sich langsam aber sicher auf die kälteren Tage und Nächte vor. Diese Bilder, die einen aus der Heimat erreichen, passen so gar nicht zu den heißen Temperaturen hier vor Ort. Dabei ist noch nicht einmal Trockenzeit.

Siebeneinhalb Wochen bin ich nun schon in Ghana. Einerseits fühlt es sich so an, als sei ich vor ein paar Tagen erst noch am Flughafen gewesen, aber andererseits ist alles so vertraut inzwischen, dass es scheint, man sei schon ewig hier.

In der Schule ist inzwischen die sechste Woche gestartet, in der wir den 6- bis 12-Jährigen ICT, Informatik, beibringen. Unsere Schule ist eine Primary-School, das heißt, die Klassen gehen von der ersten bis zur sechsten, also P1 bis P6. Außerdem gehört noch eine Krabbelgruppe und ein Kindergarten zum Komplex dazu, sodass Kinder von ein paar Monaten bis eben hin zu den 12jährigen anzutreffen sind. Da schlägt mein kinderliebendes Herz immer sehr viel höher. Es ist aber auch zu niedlich, wenn ein ganzer Schwarm den Namen rufender kleine Geschöpfe auf einen zu gerannt kommt und sich an die Beine klammert, hochgehoben werden oder einfach nur deine Hand nehmen und dich überall hinbegleiten möchte. Und wenn man dann ausversehen doch einmal angepinkelt wird, weil das kleine Kind lieber auf deinem Schoß sitzen bleibt, anstatt auf Toilette zu gehen, ist das Ganze somit auch nicht wirklich schlimm.

Schule geht bei uns jeden Tag bis 14:30h, sodass uns der Nachmittag immer zur freien Verfügung steht.  Da wir ziemlich häufig in der Stadt sind, um ein bisschen raus zu kommen aus unserem doch recht kleinen Zimmer, haben wir inzwischen auch schon die Möglichkeit genutzt, uns durch die meisten der Leckereien durchzuprobieren, die die Frauen auf ihren Köpfen den Reisenden oder Besuchern zum Verkauf anbieten. Unangefochtener Favorit von Thilo und mir ist derzeit „Groundnut-Cake“! Das ist einfach Zucker, der geschmolzen, mit kleinen Erdnussstückchen versehen und dann wieder abkühlen gelassen wurde. Das Ganze ist dann hart wie ein Bonbon, wird aber in flachen Rauten verkauft und schmeckt einfach unglaublich gut, bisschen wie Snickers. Popcorn, kleine (Gewürz-) Kuchen, Bananenchips oder aber das leckere FamYogi-Eis kommen jedoch gleich danach und sind unsere regelmäßigen kleinen Sünden hier in Ghana.

An den Wochenenden wurde uns bis jetzt auch wirklich noch nie langweilig, es stand immer irgendeine mehr oder weniger tolle Aktivität an. Während die Ausflüge nach Accra (Freunde besuchen), Cape Coast (herrlich entspannende Wochenenden am Strand) oder Koforidua und den Boti-Falls (Wanderung zum Umbrella-Rock und einem dreigabeligen Palmenbaum mit anschließender Abkühlung in den Wasserfällen) super toll waren, war die Beerdigung, auf die wir am letzten Wochenende mitgenommen wurden, zwar auch eine Erfahrung, die ich dankbar bin, gemacht haben zu dürfen, die ich aber so schnell nicht unbedingt wiederholen muss.

Umbrella-Rock Boti-FallsPalmtree

Da die Beerdigungen hier das komplette Gegenteil zu denen in Deutschland sind, wurde die Woche zuvor erst einmal noch passende Kleidung anfertigen gelassen. Für die Frauen Kleider, für die Männer Hemden in den traditionellen Farben rot-schwarz für den Samstag und weiß-schwarz für den Sonntag. Beerdigungen gehen nämlich immer ein ganzes Wochenende lang, eigentlich von Freitag bis Sonntag, wir sind aber erst Samstag hin. Die Bestattung an sich haben wir nicht miterlebt, sondern nur die Feierlichkeiten drumherum. Um ehrlich zu sein, hatte ich mir das Ganze doch mehr wie ein riesiges Familienfest vorgestellt, allerdings war es letztendlich so, dass auf einem großen Platz im Ort viele Pavillons in einem Rechteck um eine freie Fläche herum aufgestellt waren, unter denen ein paar hundert Menschen (alle in schwarz-rot!) saßen und sich entweder unterhalten oder ab und zu auch mal getanzt haben. Da haben wir uns natürlich auch nicht zweimal bitten lassen und gemeinsam mit den anderen das Tanzbein geschwungen, was wieder einmal sehr großen Anklang bei allen Einheimischen fand! Am Sonntag ging es dann mit der Familie in die Kirche (diesmal mit den schwarz-weißen Kleidern), was ehrlich gesagt nicht wirklich spannend war, da der gesamte Gottesdienst auf Twi abgehalten und fast gar nicht getanzt oder gesungen wurde. Aber auch dreieinhalb Stunden gehen irgendwann vorbei und wir wurden hinterher mit traditionellem Banku belohnt, bevor es abends dann schon wieder nach Hause ging. Also gar nicht so spektakulär wie erwartet, aber trotzdem total spannend.

Beerdigungs-Outfit, Samstag Beerdigungs-Outfit, Sonntag

Was mich hier allerdings inzwischen vor eine kleine Herausforderung stellt, ist die dauerhafte Feuchtigkeit. Dadurch, dass unser Zimmer zu klein für ein Regal oder Schrank ist, haben wir provisorisch ein Bettlaken auf den unteren Lattenrost des Hochbettes gespannt, um dort unsere Klamotten und Habseligkeiten ablegen zu können. Dieses Bettlaken schimmelt nur leider inzwischen schon an manchen Stellen und ist trotzdem leider nicht die erste Sache, die der Feuchtigkeit zum Opfer gefallen ist. Rucksack und Jeans von Thilo, sowie meine Matratze, die auf dem Boden und an der feuchten Wand liegt, waren auch schon befallen. Letztere schimmelt noch immer munter vor sich hin (zum Glück nur auf der Unterseite) und riecht durch die schlechte bzw. nicht vorhandene Durchlüftung leider immer ziemlich muffig, ebenso wie Kissen und Laken. Da ist es gar nicht so schlimm, dass die erstaunlich kühlen Nächte zurzeit mir eine schöne Erkältung und damit auch eine verstopfte Nase beschert haben, sodass ich heute doch tatsächlich eine Fleece-Decke gekauft habe, während mir der Schweiß bei der Hitze nur so runter geflossen ist!

Kommendes Wochenende steht dann aber erstmal wieder Cape Coast an, was gleichzeitig bedeutet, fast alle Freiwilligen wieder zu sehen, 48 Stunden lang einfach nur Spaß zu haben und die Seele am Strand oder in einer der Hängematten unter Kokospalmen baumeln zu lassen! <3