Donnerstag, 13.09.2018

Einfache Lebensumstände...

…die wurden mir bereits in meiner Zeit vor Ghana über dieses Land hier vorhergesagt und nach den ersten zwei Wochen kann ich dies recht gut bestätigen. Klar kann man Ghana in keiner Weise mit Deutschland vergleichen, aber trotzdem ist es vor allem in der ersten Zeit natürlich eine große Umstellung von einem weit entwickelten Land in die Umstände hier zu wechseln. Aber wie sind die Umstände hier denn jetzt eigentlich? Einfach, ja gut, aber wie definiert man denn „einfach“?

Fangen wir einmal bei den alltäglichen Dingen an: Ein Geschirrspüler erscheint den Menschen hier mindestens genauso aberwitzig wie ein Staubsauger. Kein Wunder, wenn es kein fließendes Wasser gibt. Klar, in einigen Regionen/Haushalten gibt es Wasser aus dem Hahn, aber bei unserer Gastfamilie und auch bei uns im Haus gibt es Wasser in Eimern. Jeder hat seine eigenen Eimer und Schüsseln, die dann je nach Gebrauch zum Geschirrspülen oder Duschen befüllt werden. Immer schön ein Eimer pro Nase, der dann gut überlegt auf die verschiedenen Körperteile und zum Haarewaschen eingeteilt werden muss. Dass das Wasser kalt ist, ist somit auch kein Wunder und trotzdem ist es ein gutes Gefühl, damit zu duschen, denn man weiß immer wo es herkommt. Entweder man hat es am Nachmittag beim Nachbarn aus dem Hahn oder aus einem Brunnen geholt, per Hand gepumpt oder aber während eines Wolkenbruchs einfach den Regen in großen Wannen aufgefangen, so wie alle hier. Wo man hinguckt stehen dann bunte Schüsseln auf dem Boden, in die das Wasser fröhlich hinein plätschert. Egal welche Methode, das Wasser wird immer in große Tonnen umgefüllt, um dann bis zum Gebrauch aufbewahrt zu werden.

Der eben angesprochene Regen ist zurzeit sowieso noch sehr stark. Es regnet zwar nie den ganzen Tag durch, aber wenn es regnet, dann dafür umso heftiger. Teilweise mit so starkem Wind gepaart, dass ein Papaya-Baum neben unserem Haus umgefallen ist. Die Früchte, die wir daraufhin stibitzt haben waren aber sehr lecker ;). Blöderweise hat uns ein solches „Unwetter“ aber auch schon zweimal einen Stromausfall beschwert. Nach ein, zwei Stunden ging das Licht dann zwar wieder, allerdings kann es drinnen schon ziemlich düster sein, wenn draußen die Welt untergeht, auch wenn es erst vier Uhr Nachmittag ist.

Waschmaschinen sind bei uns auch nicht sehr großgeschrieben. Hier heißt es: selbstständig werden und die Klamotten mit den Händen durch schrubben. Bis ich die richtige Technik, mit den Fingerknöcheln über den Handballen rubbeln, wirklich beherrsche, wird es noch einige Zeit dauern. Bis dahin wird man von den Einheimischen nur liebevoll ausgelacht aber immer angespornt, es weiterhin zu versuchen. Da ich alles erst noch lernen muss, dauern so alltägliche Dinge wie Waschen auch noch ziemlich lange, sodass ich auch schon mal um sechs Uhr in der Früh aufstehe, um meine Wäsche noch vor der Schule zu machen, damit sie bis zum Nachmittag trocken ist (vorausgesetzt es regnet in der Zwischenzeit nicht).

Um mit den einfachen Umständen weiter zu machen, widmen wir uns einmal den Wohngegebenheiten. Als wir an unserem ersten Tag in unser Zimmer gebracht wurden war dort nicht mehr als ein Stockbett mit zwei Matratzen drin. Kein Teppich, kein Regal, keine Vorhänge. Letztere haben wir inzwischen angebracht, da ansonsten jeder nach sechs Uhr abends besten Einblick in die Gegebenheiten bei uns hat. Zu viel mehr sind wir aber noch nicht gekommen, bzw. müssen wir erst mal überlegen, wie viel und was wir in unser kleines Zimmer „einbauen“ können. Aber auch die hier lebenden Menschen haben meist nur das Nötigste in ihrem Zuhause. Sofas, Betten, Vorhänge, Fernseher, einen kleinen Plastiktisch, Hocker. Mehr ist es meist nicht, aber sie kommen gut damit klar, man kennt es hier einfach nicht anders.

Wenn ich in meiner freien Zeit mit Thilo in eine etwas weiter entfernte Stadt, wie z.B. Koforidua fahren möchte, nutzen wir wie alle hier die landestypischen „Trotros“. Trotros sind eine Mischung aus Taxi, Bus und Mitfahrgelegenheit für Anhalter und sind offiziell für 12 Personen gedacht. Ein Trotro verkehrt immer auf einer bestimmten Strecke, nimmt einfach jeden mit, der am Straßenrand die Hand ausstreckt und hält, wann immer man raus möchte. Und wenn schon 15 Menschen drinnen sitzen und noch einer mitmöchte, wird der Sechzehnte auch noch mit rein gequetscht. Bezahlt werden feste Preise während der Fahrt, abhängig von dem Ort, in dem man aussteigen möchte. Und wenn einem in einem Straßenort gerade einfällt, dass man ja noch Brot kaufen wollte, drückt man dem Kontrolleur/Mann-für-alles einfach etwas Geld in die Hand und er springt schnell raus und erledigt den Einkauf. Das ist zwar nicht besonders üblich, kann aber schon gut einmal passieren.

Wir selber erledigen unsere Einkäufe aber für gewöhnlich in der Stadt und auf dem Markt. Montag und Donnerstag ist hier in Suhum immer Markttag und es gibt neben allen erdenklichen Haushaltsartikeln super leckere Früchte wie Mango, Ananas oder aber Avocado in noch größerer Hülle und Fülle als eh schon. Leider können die leckeren Früchte und auch Gewürze den Gestank der überall angepriesenen Fische absolut nicht überdecken. An jeder Ecke schlägt einem Fischgeruch entgegen und auch ansonsten ist der Fisch hier sehr angesehen. Fast jede Soße schmeckt nach Fisch und wenn man sagt, dass man kein großer Fisch-Fan ist, wird man gleich entsetzt gefragt, ob man denn Vegetarier sei.

Aber nicht nur die Fischgerichte, sondern auch so gut wie jegliche andere einigermaßen feste Mahlzeit wird hier mit der Hand gegessen. Allerdings nur mit der rechten, die zuvor mit Seife und Wasser gewaschen wird (Die linke Hand gilt als unrein und wird somit auch weder zum Grüßen noch zum Geld geben verwendet). Das Essen macht so wirklich Spaß, auch wenn es jedes Mal eine riesen Sauerei ist und anfangs noch fast mehr neben dem Mund als darin gelandet ist. Aber die richtige Technik, bestehend aus auf die Finger schaufeln und dann mit dem Daumen in den Mund schieben, hat man erstaunlich schnell raus und man spart sich das Besteck, dass man ansonsten wieder mit der Hand spülen müsste ;) 

Neben dem Essen steht bei den Ghanaern die Religion ganz weit oben auf der Liste der wichtigen Dinge im Leben. Wenn sie nicht schon auf der Straße versuchen, einen in ein Gespräch über seine eigene Religion zu verwickeln, dann bekommt man dies spätestens in der Kirche zu spüren. Thilo und ich waren die letzten beiden Sonntage mit unserem Gastvater, der eine Sprecher-Rolle dort hat, in der Jehovan-Rapha-Church, die zum Waisenhaus bzw. zur Schule gehört. Es ist teilweise wirklich so, wie ich mir das immer vorgestellt habe mit sehr viel Gesang und sehr viel Tanz. Was ich aber nicht vorhersehen konnte, waren Einlagen im schauspielerischen Bereich, die als Dank für z.B. die Fruchtbarkeit dienen. Wenn einige Frauen dann auf einmal durch die Kirche gejagt und anschließend auf den Boden geschmissen werden, kann das im ersten Moment ganz schön beängstigend sein. Im Allgemeinen dauern die Gottesdienste in der Kirche, in der wir bis jetzt waren, viereinhalb Stunden. Das ist eh schon eine ziemlich lange Zeit und wenn man dann noch kaum etwas versteht, weil 90% auf Twi abgehalten werden, scheint das Ganze einfach kein Ende nehmen zu wollen. Bestimmt gebe ich dem Ganzen irgendwann noch einmal eine Chance, aber für das Erste reichen mir die Stunden, die ich bis jetzt dort in der Kirche verbracht habe, um einen ersten Eindruck zu bekommen und herauszufinden, dass das für mich persönlich nicht das Gelbe vom Ei ist. Aber das ist glaube ich auch völlig in Ordnung. Jeder Mensch ist eben verschieden und ich versuche mich natürlich so gut es geht an die Gewohnheiten hier anzupassen, aber das heißt für mich eben nicht, alles genauso nachzumachen, wie es vorgegeben wird, sondern irgendwie mein eigenes Leben und Rhythmus in dem vielen Neuen zu finden. Ein bisschen Persönlichkeit in all dem Fremden zu behalten.