Dienstag, 02.04.2019

Essen in Ghana - Frühstück

So, jetzt widmen wir uns aber mal dem eigentlich geplanten Blogeintrag, dessen Thema wohl jeden Menschen beschäftigt, ob er will oder nicht: Essen.

Anfangs war das ghanaische Essen mehr als exotisch für mich, inzwischen habe ich mich aber an Fufu und co. gewöhnt und finde es nun irgendwie nur noch viel „einfacher“ als europäisches Essen. So gibt es zum Beispiel keinerlei Milchprodukte auf dem Markt zu kaufen, Milch generell gibt es schon, ist aber für Ghanaer sehr teuer, weswegen im Normalfall wenn dann auf Kondensmilch zurückgegriffen wird. Und sollte man in den ghanaischen Groß-Supermärkten doch mal ein Stück jungen Gouda finden, kann man für 100g schonmal gut und gerne 25 cedi (ca. 4€) hinblättern. Kühe, die man aber eher selten sieht, gelten auch nur als Fleischlieferant - dasselbe gilt für Ziegen und Schafe. Fleisch ist allerdings auch nicht sonderlich billig und wer gute Qualität haben möchte, muss selber schlachten oder aber gute Beziehungen haben. Um das Fleisch und den Fisch vom Markt mache ich bereits seit der ersten Woche gekonnt einen großen Bogen, da auf den Tischen in der Hitze dort mehr Fliegen als Fleisch herumschwirren und Kühlung leider absolut nicht möglich ist für die Marktfrauen. Und nachdem ich gesehen habe, mit welch nicht vorhandener Hygiene es beim „Metzger“ (überdachte Stände, in denen undefinierbare Fleischbrocken mit bloßen Händen auf Holztische gepackt und mit dem Beil zerkleinert werden) zugeht, bei dem auch Fleisch, das ausversehen auf dem Boden (ghanaischer, nicht deutscher Boden) gelandet ist, wieder in die Tüte zum Verkauf gepackt wird, ist es mir nicht sonderlich schwer gefallen zum Teilzeit Vegetarier zu werden. Patricia, meine Nachbarin, kauft den Fisch zumindest immer beim einzigen Kühlhändler in Suhum, wo er tiefgefroren gelagert wurde und gebraten tatsächlich ganz gut schmeckt. Soweit, sogar die Gräten zu essen, wie es die Leute hier machen, bin ich dann aber doch noch nicht, Martha hat es mir sogar verboten, da ich nicht daran gewöhnt bin und die Gefahr zu groß ist, dass die Gräten in meinem Hals stecken bleiben.

Was man neben Milchprodukten ebenfalls nicht oft zu Gesicht bekommt, ist frisches Gemüse. Mal ein paar Zwiebeln und Tomaten zerkocht in der Soße, das schon. Aber Mahlzeiten, bei denen Gemüse einen Hauptbestandteil ausmacht, wie eine Gemüsepfanne oder auch nur gekocht/gedünstet als Beilage habe ich hier tatsächlich noch nie gesehen. Von Salat fange ich gar nicht erst an. Klar, Ausnahmen bestätigen die Regel, aber die Currypfanne mit viel Gemüse oder aber auch mein Rohkost–Salat (ohne eigentlichen Salat...) wurden schon ziemlich argwöhnisch betrachtet. Generell habe ich das Gefühl, dass für viele Ghanaer gilt: Hauptsache es macht satt. So wird sehr viel auf Getreideprodukte gesetzt: Es gibt viel Reis, aber auch typische ghanaische Gerichte wie Banku sind pures Getreide.

Ich habe einige Gerichte zusammengetragen, die in den letzten sieben Monaten meinen Weg in Ghana gekreuzt haben und von denen die meisten anders sind als irgendetwas, was ich jemals zuvor gegessen habe, selbst wenn man Ähnliches in Deutschland finden kann. Klar gibt es noch unendlich mehr Mahlzeiten und Variationen, die ich hier nicht alle aufzählen kann, bzw. auch noch nicht entdeckt habe, aber sowohl beim Frühstück, als auch beim Mittag-/Abendessen sowie den Snacks haben sich doch einige Dinge in meinen Alltag integriert, von denen ich manche am liebsten mit nach Deutschland nehmen würde, so lecker wie die sind.

In diesem Eintrag (dem ersten von drei geplanten) widme ich mich der für mich wichtigsten Mahlzeit am Tag: dem Frühstück.

Während sehr viele Ghanaer herzhafte Gerichte bereits am Morgen bevorzugen (wenn sie überhaupt richtig frühstücken), habe ich so gesehen Glück gehabt, denn Martha ist selber eine Süßes-Frühstück-Liebhaberin. Während meine Gasttante also jeden Morgen den Reis vom Vortag isst, bekomme ich immer eine Brei-Variation, zu der ich mir dann noch ein Stück Sugar-Bread (süßes Weißbrot nach Milchbrötchen-Art) kaufe. Im Hause Martha Mensah gibt es für deutsche Freiwillige drei verschiedene Frühstücksbreie, die sich mehr oder weniger regelmäßig abwechseln. Hier aufgelistet in meinem persönlichen Ranking von „nicht ganz so lecker“ bis hin zu „Lieblingsbrei“:

Da wäre einmal das Porridge, was sehr der deutschen Variante von Haferflocken mit Wasser aufgekocht ähnelt und für den Rest des Tages anhält, dafür aber sehr großen Durst erzeugt, da es ohne Zucker (der bei mir in jeden Brei kommt) eher salzig ist.

Hafer-Porridge mit Sugarbread

Das nächste Frühstück ist Reis-Wasser, was man wohl ein wenig mit Milchreis ohne Milch vergleichen kann. Der Reis wird einfach ziemlich lange mit viel Wasser gekocht, ein bisschen gesüßt und dann wieder zu dem Brot gegessen.

Reiswasser mit Brot

Der letzte Brei ist eigentlich auch der einzig wirkliche Brei und gleichzeitig mein Lieblingsfrühstück. Es nennt sich „Unimix“ und ist ein Gemisch aus Reis, Sojabohnen, Erdnüssen und Mais - alles gemahlen. Diese Mischung in Wasser aufgekocht ergibt dann einen braunen Brei, der auch Babys sehr gerne gefüttert wird und mit ein wenig Zucker wirklich sehr lecker ist! (Allerdings nicht zu verwechseln mit "Tom Brown", einem ähnlichen Brei, der als Grundlage aber nur aus Mais besteht.)

Unimix - schmeckt sehr viel besser als es aussieht!

Neben diesen drei Varianten meines Frühstücks gibt es auch noch eine vierte, die aber meistens nur dann herangezogen wird, wenn Martha am Morgen absolut keine Zeit (oder Lust) hat, irgendetwas zuzubereiten: Milo. Milo von Nestlé ist DAS Morgen-Getränk schlechthin hier in Ghana (neben Nestlé-Kaffee) und ist einfach ein Kakaogetränk, zusammengesetzt aus Schokoladen-, Malz- und Milchpulver, was man, wie man das bei Kakao eben so macht, mit heißem Wasser aufschüttet. Ist zwar lecker, hält aber leider nicht sonderlich lange an und ist somit nicht unbedingt mein Favorit am Morgen.

Milo

Da aber wie bereits gesagt sehr viele Leute hier gerne herzhaft frühstücken (ich ab und zu dann doch auch, wenn Martha noch Reis vom Vortag und keine Lust zum "kochen" am Morgen hat), weil dieses dann auch sehr lange anhält, habe ich euch im Folgenden noch zwei warme herzhafte Mahlzeiten beschrieben, die man wirklich überall in Ghana zum Frühstück finden kann und die mir persönlich auch unglaublich gut schmecken!

Red-Red

Red-Red ist ein Gericht, das aus zwei Hauptteilen besteht: Zum einen aus frittierten Plantain (Kochbananen), zum anderen aus Bohnen. Außerdem packen die meisten Leute noch Gari dazu, was im Grunde einfach nur getrockneter, zerbröselter Kassava ist und zur Andickung der Bohnen-Matsche dienen soll.

Klingt erstmal vielleicht nicht ganz so lecker, ist in Wahrheit aber absolut köstlich! Die Kombination aus süß und herzhaft ist bestimmt nicht für jedermann was, aber wer sowas mag, der fährt auch ganz sicher auf Red-Red ab! Übrigens werden alle Fried Plantain vor dem Frittieren in leicht salziges Wasser gelegt, sodass sie hinterher einen ganz besonders leckeren Geschmack haben.

Red-Red wird häufig am Morgen gegessen (manchmal auch noch tagsüber) und gilt in Ghana eher nicht als Abendessen, da die Bohnen ganz schön schwer im Magen liegen können und es über Nacht mit der Verdauung dann schwierig werden könnte.

Red-Red

 

Waakye

Bei Waakye würde man wohl am ehesten von einer "Pampe" reden: Reis wird gemeinsam mit Bohnen so lange gekocht, bis eine gemeinsame Masse entstanden ist. Die rote Farbe dieses Gemischs kommt von den namensgebenden Waakye-Leaves, die einen Abend vorher mit Salz in Wasser eingelegt werden, welches dann den Geschmack sowie die Farbe annimmt und in dem am kommenden Morgen die Bohnen und der Reis gekocht werden. Im Laufe des Tages verkocht/verdunstet das restliche Wasser aus dem Gericht, sodass Reis und Bohnen dann wirklich eine einzige Pape bilden. Anders kann man das einfach nicht nennen.

Man kann Waakye pur essen, man hat aber auch die Möglichkeit, alle erdenklichen „Toppings“ zu nehmen. So gibt es immer gekochte Eier, Nudeln, Fisch, Wellé (Kuhhaut) oder Gari, zwischen denen man wählen kann und welche jeweils einen festen Preis haben, der dann zu dem Grundpreis des Reis-Bohnen-Gemischs hinzuaddiert wird. So kann man zum Beispiel Waakye für 1,5 Cedi nehmen, möchte dann noch ein Ei für 1 Cedi, Nudeln für 0,5 Cedi, sowie Fisch für 1 Cedi. Zum Schluss kommt immer noch Tomatostew, sowie Shito über das Ganze (ohne Aufpreis). So zahlt man am Ende für das Gesamtpaket 4 Cedi und wird für den Rest des Tages pappsatt.

Auch hier gilt wie bei Red-Red: wegen der Bohnen eher ein Frühstück als Abendessen, aber auch tagsüber findet man noch viele Waakye-Stände auf der Straße. Ich selber habe das Privileg, dass meine Nachbarin jeden Morgen Waakye vor dem Haus verkauft, weshalb man ab sechs Uhr zwar ihre „Waaaaaakyeeeeee“-Rufe (damit macht sie ihr Umfeld auf das fertige Essen aufmerksam, damit die Leute wissen, ab wann, bzw. ob es noch Waakye zu kaufen gibt) durch die ganze Siedlung und bis in mein Bett hören kann, dafür bekomme ich aber, wenn ich Lust und Hunger darauf habe, das Essen immer kostenlos!

Noch ganz frisches Waakye Am späten Vormittag haben sich Reis und Bohnen durch das verdunstete Wasser stärker gebundenWaakye mit Stew, Shito und Ei

Neben diesen Gerichten gibt es natürlich aber auch noch viele Kleinigkeiten wie zum Beispiel „Egg and Bread,was einem Gemüse-Omelett in Brot entspricht, das dann wiederum nochmal kurz in der Pfanne angebraten wird, oder aber auch „Koko“, ein flüssiger Hirse-Brei, zu dem man aus Bohnenmehl gebackene Bällchen, sogenannte „Kossaï“, isst. Während ich Egg and Bread einfach wirklich immer essen kann, habe ich Koko zwar auch schon probiert, leider ist diese Art von Frühstück bei mir persönlich aber durchgefallen. So Dinge wie die beiden zuletzt genannten kann man auf dem Weg zur Arbeit an jeder Straßenecke kaufen und dann noch schnell als guten Start in den Tag verspeisen.

Kosai und Koko