Samstag, 01.09.2018

Hello Ghana!

Vor genau einer Woche um diese Zeit saß ich noch im Flugzeug auf dem Weg ins Abenteuer, ins Ungewisse. In der Zwischenzeit ist mehr passiert, als ich mir hätte vorstellen können, schöne und auch weniger schöne Momente, aber auf jeden Fall alles sehr verrückt und neu!

Die ersten Tage hier in Ghana hätten besser nicht sein können. Unser Vorbereitungsseminar fand in Kokrobite, einem Stadtteil von Accra, der Hauptstadt Ghanas, statt. Unsere Mentoren haben uns direkt vom Flughafen abgeholt (der Empfang war sehr herzlich – typisch Ghana eben) und brachten uns zu unserer Unterkunft, eine Straßenüberquerung vom Meer entfernt! Während der Woche lernten wir neben wichtigen ghanaischen „Überlebenstipps“ wie Verhaltensweisen und ersten Twi-Lektionen auch, wie es ist, wenn plötzlich kein Wasser mehr aus der Dusche kommt, obwohl man gerade eingeseift darunter steht, oder aber, dass es deutlich einfacher ist, mit einer Kakerlake zusammen zu leben, wenn man dieser einen Namen verpasst. In der „Wunderbar“ wurden uns erste ghanaische Speisen vorgesetzt, die, obwohl europafreundlich zubereitet, dem ein oder anderen ganz schön den Mund verbrannten. Außerdem durften wir neben den berühmt-berüchtigten Kochbananen (geschmacklich wie Bananen-Chips) auch schon das erste Mal „Banku“, einen Brei aus Mais und Kasawa, probieren, den man mit viel Soße einfach herunterschluckt, ohne auch nur ein einziges Mal zu kauen. Das ist gar nicht so leicht wie man denkt!

Da wir in diesen Tagen dank der ghanaischen Gelassenheit, die sofort auf einen abfärbt, viel Freizeit hatten, wurden viele wunderschöne Stunden am Meer oder bei dem ein oder anderen Kartenspiel auf der Dachterrasse verbracht. Aber auch alles Organisatorische musste erledigt werden und so wurden wir auf dem Weg nach Accra mit dem landestypischen Verkehrswesen vertraut gemacht. Spätestens jetzt hatte auch der Letzte den Gedanken an ein eigenes Auto in Ghana längst verworfen. Der Wunsch, lebendig wieder nach Deutschland zu kommen, war dann doch irgendwie größer.

So viele Momente und neue Erlebnisse lassen einen ganz schön zusammenwachsen, sodass man wohl sagen kann, dass am Ende dieser ereignisreichen fünf Tage, ein eingeschweißtes Team wieder auseinandergerissen wurde.

Am Donnerstag hieß es vorerst Abschied nehmen, Moskitonetze wurden wieder abgehängt, die Koffer wieder zu- und sich selbst in ein Taxi gequetscht. Die nächste erlebnisreiche Fahrt stand an und ich kann jetzt aus Erfahrung sagen, dass es ziemlich furchteinflößend sein kann, wenn ein ghanaischer Taxifahrer sauer wird und auf Twi anfängt zu schimpfen und zu fluchen. Auch wenn sich das glücklicherweise nicht gegen uns Insassen gerichtet hat.

Die Ankunft in Suhum, der Stadt, die für das kommende Jahr meine Heimat sein wird, war nicht besonders aufregend, da es bereits dunkel war und wir von hinten an die Stadt ran gefahren sind, sodass wir das Zentrum noch gar nicht sehen konnten.

Thilo (ein Mitfreiwilliger) und ich haben ein kleines Zimmer bekommen, dass nicht sonderlich spektakulär, aber vollkommen in Ordnung ist. Wir wohnen nicht direkt bei der Gastfamilie, da diese keinen Platz hat, sondern ein paar „Häuser“ weiter. Da wir Mädchen und Junge sind, wurde zuerst spontan entschieden, dass ich bei der Familie im Wohnzimmer auf dem Boden schlafe, da mir das aber nicht so lieb war, haben wir uns darauf geeinigt, zusammen in dem Zimmer zu schlafen, was auch bis jetzt keinerlei Probleme dargestellt hat.

Unsere Gastfamilie besteht aus „Martha“, der Mutter, die hochschwanger ist, dem Vater „George“, der allerdings nur an den Wochenenden zu Hause ist und dem kleinen „Professor“, der einfach nur zuckersüß ist! Außerdem ist Marthas Schwester Gina die ganze Zeit dabei und unterstützt Martha bei so ziemlich allem. Sie alle sind sehr freundlich, wobei George uns gegenüber am herzlichsten war!

Während man sich an das leckere (und viele!) Essen hier sehr schnell gewöhnt, hält das Wetter doch noch immer regelmäßig Überraschungen für einen bereit. So kann es jetzt in der Regenzeit von einem Schlag auf den anderen so sehr schütten, dass es einem vorkommt, man stehe hinter einem Wasserfall. Aber auch das ist nicht weiter schlimm und nur ein weiteres Erlebnis, von dem man im Nachhinein noch lange erzählen wird!

Über unsere Arbeit im Waisenhaus, bzw. in der angrenzenden Schule, werde ich erst in der nächsten Zeit einen Bericht verfassen, wenn wir uns ein bisschen eingelebt haben und nicht mehr alles so neu ist.

Ansonsten versuchen wir jetzt in der ersten Zeit erst einmal, uns ein wenig einzugewöhnen und machen alles nach dem Motto „Kakran kakra“ – „Stück für Stück“!