Mittwoch, 14.08.2019

How do you see Ghana?

Diese Frage bekomme ich eigentlich von jedem Ghanaer auf der Straße zu hören, mit dem ich mich mehr als fünf Minuten unterhalte.

Ichfrage mich dabei jedes Mal, was sie jetzt von mir hören wollen. Soll ich wirklich ausholen und ihnen beschreiben, wie meine Eindrücke in dem gesamten Jahr waren, welche Höhen und Tiefen, positive und negative Aspekte dieses Land für mich mit sich gebracht hat? Und wo fange ich da überhaupt an?

Oder wollen sie einfach nur eine Floskel wie “gut”, “interessant” oder “anders” hören?

Meist greife ich auf die Herzlichkeit der Ghanaer, sowie das Essen zurück. Aber zufrieden bin ich mit meiner Antwort im Nachhinein meistens selber nicht.

Ich kann einfach nicht gut genug beschreiben, wie dieses Jahr für mich war, wie dieses Land mit seinen Bewohnern mich verändert und geprägt hat. Ich weiß es ja selber noch nicht so ganz, das wird sich vermutlich erst mit der Zeit in Deutschland zeigen.

Auch die Frage, ob das Jahr für mich eher schnell oder langsam vorbei gegangen ist, kann ich so pauschal nicht beantworten. Gerade am Anfang und zwischendrin hatte ich scheinbar endlos lange Tage bzw. Wochen, an denen ich sofort abfahrbereit gewesen wäre, hätte mir jemand gesagt, dass am nächsten Tag mein Flug nach Deutschland geht. Solche Gefühle sind allerdings vermehrt in der ersten Hälfte aufgetreten, weswegen diese auch dementsprechend langsamer vorbei ging nach der aufregenden Anfangszeit.

Das zweite halbe Jahr hingegen ist unglaublich schnell vergangen, wirklich, es ist schier geflogen. Gefühlt war gerade erst mein Geburtstag und jetzt sitze ich hier in meinem leeren Zimmer, die Koffer sind gepackt (und wahrscheinlich viel zu schwer), und in 21 Stunden sitze ich schon wieder im Flieger nach Deutschland.

Kennt ihr das? Man hat ein Ereignis von vor einem Jahr im Kopf, was einem vorkommt, als sei es gestern gewesen. Dann ruft man sich aber in Erinnerung, was in der Zwischenzeit, in diesem einen Jahr, so alles passiert ist, an welchen Orten man war und welche Leute man wo und wann getroffen hat und dann ist die Zeitspanne von einem Jahr doch wirklich ein Jahr und ziemlich lange.

Ich bin einfach so froh, damals die Entscheidung getroffen zu haben, einen Freiwilligendienst in Ghana zu absolvieren.

Anfangs, weiß ich noch, fand ich Martha total unfreundlich, kaltherzig und abweisend.

Und heute Abend saßen wir beide weinend nebeneinander auf dem Sofa und wussten nicht, was wir noch sagen sollten.

Auch wenn der Abschied morgen nochmal unsagbar schwer werden wird (mir kommen schon die Tränen, wenn ich nur daran denke), bin ich doch unendlich dankbar, in diesem tollen Land eine zweite Familie zu haben, bei der ich immer mit offenen Armen empfangen werde und die sich jetzt schon freut, wenn ich (hoffentlich) nächstes Jahr wiederkomme um sie zu besuchen.

 

In diesem Sinne: bis ganz bald, Deutschland und bis nächstes Jahr, Ghana! 🇬🇭

 

PS: Vielen lieben und wirklich herzlichen Dank an alle, die aktiv meinen Blog verfolgt haben und an meinem neuen Lebensabschnitt so interessiert waren. Da macht das Schreiben gleich noch doppelt so viel Spaß, wenn man die Besucherzahlen sieht !