Donnerstag, 18.10.2018

Kleinvieh macht auch Mist

Passend zur Überschrift eine kleine „Anekdote“ von heute Morgen: Donnerstag ist immer der einzige Tag unter der Woche, an dem die Schule für uns erst um neun beginnt, sodass wir schön entspannt bis halb acht schlafen können. Tja nur leider habe ich das bis jetzt noch nie geschafft, dank meiner inneren Uhr wache ich immer ungefähr eine Stunde früher auf. So auch an diesem Donnerstag. Noch total verschlafen gucke ich auf die Uhr, wieder erst halb sieben, freue mich aber, weil das somit noch eine Stunde legales liegen bleiben und vor sich hindösen bedeutet. Also wohlwollend umgedreht, um zu entspannen und ZACK war ich hellwach: Auge in Auge mit Mr. Tausendfüßler, getrennt nur durch den löchrigen Stoff meines Moskitonetzes. Der Kollege ist munter an der Wand herumgekrochen und hat nicht das kleinste Anzeichen an Reue gezeigt, dass er mir meinen schönen Morgen zerstört hat! Rache ist Blutwurst heißt es doch so schön, also wurde nur schnell „Snappi“* geholt und der Kampf begann: wollte er anfangs noch versuchen, der Falle zu entwischen und auszuweichen, hat Herr Tausendfüßler wohl schnell gemerkt, dass seine Taktik nicht aufgeht (oder er war einfach doch noch zu müde) und er hat den Überraschungsangriff gestartet und sich einfach fallen gelassen. In der einen Schrecksekunde, die er dadurch gewonnen hatte, suchte er den Fluchtweg unter die Matratze. Da das aber immer noch MEINE Matratze war, war da Schluss mit lustig. Beim nächsten Kontakt mit „Snappi“ rollte er sich gleich ehrfürchtig zusammen (jetzt erinnerte er wirklich ein wenig an eine Blutwurst) und ich konnte ihn mit einem todesmutigen Schubs eines Buches hinein befördern. Und jetzt kommt der eigentliche Part, der zur Überschrift geführt hat: aus Angst, oder aber um mich zu ärgern, hat der Herr noch gleich bei der Gelegenheit in der hintersten Ecke seines Gefängnisses sein Geschäft erledigt. Wir haben uns draußen vor der Tür dann zwar nicht in Freundschaft, wohl aber in Akzeptanz getrennt, ich glaube uns beiden hat es besser gefallen, dass er wieder draußen war.

Das Gleiche gilt übrigens für alle anderen (Krabbel-) Tiere hier. Sie gehören eben genauso zu Ghana wie Kochbananen, Fufu oder die schlechte (wenn überhaupt) Schokolade, trotz enormen Kakaoexports. Trotzdem bin ich bis jetzt noch nicht wirklich warm geworden. Es ist aber auch echt nervig teilweise: man sitzt am Boden und um einen herum wuseln hunderte winziger Insekten (wahrscheinlich kleinste Ameisen), die hier einfach überall anzufinden sind: am Boden, im Essen (an den Bananenschalen oder Erdnüssen zum Beispiel) oder aber eben auf einem selbst irgendwann.

Ein anderes Erlebnis war, als es letztens sehr sehr stark geregnet und auch gewittert hat. Mit einem Mal waren zig fliegende Ameisen im Zimmer, sind kreisend um die Lampe geflogen oder auf den Boden gefallen und bis ich Thilo von draußen geholt hatte, waren fast alle wieder verschwunden, stattdessen krochen Mini-Würmer an den Wänden entlang. Die, die ich nicht erwischt habe, sind in dem Spalt zwischen Wand und Decke wieder verschwunden, wo sie hoffentlich auch nicht so schnell wieder hervorkommen werden! Wo die Ameisen abgeblieben sind, bzw. wo sie überhaupt erst herkamen, weiß ich immer noch nicht. Gruselig…

Neben diesen paar Ausnahmen ist unser Zimmer aber erstaunlich krabbelfrei. Klar, kleinere Spinnen wohnen hier schon auch, aber die größeren Kaliber ihrer Gruppe sowie Kakerlaken, Geckos, Schnecken oder Würmer fühlen sich in der Dusche und in der Toilettenkabine anscheinend deutlich wohler. Wenn es ihnen da so gut gefällt können sie meinetwegen sehr gerne dortbleiben. Solange man sie sieht, ist es ja nicht ganz so schlimm. Das wird es erst, wenn man sie plötzlich nicht mehr sieht!

 

 

*“Snappi“ ist ein äußerst sinnvolles Tool, mit dem man Insekten mit einem gewissen Sicherheitsabstand fangen und sie dann schön weit weg wieder freilassen kann, mitgegeben auf die Reise von meinen weise vorausschauenden Freunden in Deutschland. Danke nochmal dafür!