Mittwoch, 12.12.2018

Medical Screening

Am Montag erreichte alle Freiwillige aus dem Raum Koforidua/Suhum/Begoro eine Nachricht von unserem Mentor George, dass wir in unseren Projekten darum bitten sollen, für Mittwoch freizubekommen. Das, bei einem bereits länger zurückliegenden Treffen angesprochene, „Medical Screening“ stehe an. Was genau hier in Ghana darunter verstanden wird, wusste jedoch keiner von uns so genau, also hieß es einfach mal wieder: überraschen lassen ?.

Nach einer kurzen Nacht bis halb sechs und ein paar Bananen später, sind Thilo und ich heute Morgen bereits um viertel nach sechs im Trotro nach Koforidua gesessen, wo wir uns mit den anderen Freiwilligen, sowie George getroffen haben. Von dort aus ging es sogar relativ pünktlich mit dem nächsten Trotro los nach Apetewusu, ein wirklich kleines Dorf irgendwo im Nirgendwo zwischen Koforidua und Accra. Dementsprechend waren auch die „Straßen“, die dorthin führten: ein Geholper und Gepolter auf den kleinsten Sandwegen, bei denen man niemals von alleine darauf gekommen wäre, dass sie überhaupt breit genug für ein Auto sind. Irgendwie sind wir aber auf jeden Fall angekommen, wurden vor Ort auch direkt in Empfang genommen und in ein Haus geführt, in dem die Dorfbewohner bereits auf uns warteten. Der Leiter der ganzen Aktivität erklärte uns die einzelnen Stationen und jetzt wussten wir auch endlich worum es ging: Wir würden einen medizinischen Test mit den Bewohnern durchführen, die sich einen Gang ins Krankenhaus zum Durchchecken lassen so nicht leisten könnten.

Jeder von uns bekam eine Aufgabe zugeteilt, die entweder aus Malaria-Schnelltest, Größe oder Blutdruck messen, Wiegen, BMI berechnen oder einem Sehtest bestand. Ich wurde Letzterem zugeteilt und habe die einzelnen Personen angewiesen, mir zu nennen, in welche Richtung das jeweilige E seine Striche zeigt, so wie man das eben auch aus Deutschland kennt, während sie sich immer ein Auge zuhalten mussten. Hierbei fand ich es teilweise wirklich sehr erschreckend und traurig, wie wenig manche Leute doch eigentlich von ihrem Lebensumfeld erkennen, weil sie nie einen Test gemacht haben, beziehungsweise sich auch keine Brille leisten können und somit nicht wissen, dass es auch anders sein kann, dass es tatsächlich die Möglichkeit gibt, scharfe Umrisse zu sehen und kleine Dinge entziffern zu können. Eine Frau ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: Sie war auf einem Auge vollständig erblindet und als sie mit dem anderen Auge versuchte, meine Aufgabe zu lösen, kam sie nicht über die erste Stufe hinaus. Fazit: Auch mit diesem Auge kann sie so gut wie nichts erkennen, bräuchte dringend eine Brille und läuft quasi komplett blind durch ihr Leben. Da hätte ich ihr am liebsten einfach meine Brille geschenkt.

Allerdings waren nicht alle „Patienten“ so kurzsichtig. Einige von ihnen hatten richtige Adleraugen und konnten die schwierigste Stufe mühelos und in rasantem Tempo bewältigen, bei der sich sogar der ein oder andere von uns Obrunis schwergetan hat. Je nachdem wie weit die E-Richtungen entziffert werden konnten, wurde eingeteilt in „Katastrophe und dringend einen Augenarzt aufsuchen“, „nicht sonderlich gut, Augenarzt wäre ratsam“ und „normal“. Das jeweilige Resultat wurde dann auf dem persönlichen Zettel der Person eingetragen und sie wurde eine Station weitergeschickt.

Als wir mit den Erwachsenen bei allen Stationen durch waren, sollte noch ein Malaria-Schnelltest bei den Kindern durchgeführt werden. Ich habe mich freiwillig dazu gemeldet, obwohl ich das davor noch nie selber gemacht und nur einmal kurz zugeguckt hatte, aber die Reihenfolge, in der ich vorgehen musste, war mir bekannt: Finger desinfizieren, kleiner Piecks, Bluttropfen mit Stäbchen in den Test tupfen, Serum darauf tröpfeln, fertig.

Während ein paar wenige Kinder vor Angst oder Erschrecken anfingen zu weinen oder zu schreien, waren die meisten von ihnen doch sehr tapfer und erstaunlich ruhig. Mir hat es unglaublich viel Spaß gemacht, mit den Kindern zu arbeiten, mit ihnen zu reden und ihre erstaunten Gesichtsausdrücke zu sehen, wenn man ihnen gesagt hat, dass das schon alles war und sie fertig sind. Und am allerbesten waren sowieso die ganz Kleinen, die auf dem Arm ihrer Mama meine Einmalhandschuhe so viel interessanter fanden als das Prozedere, dass die Tante währenddessen mit ihrem Finger veranstaltet hat.

Leider hatten den Tests zufolge tatsächlich fünf der Kinder Malaria und auch bei den Erwachsenen waren sechs von ihnen positiv. Allem, was über das reine Testen und Aufschreiben der Ergebnisse hinaus ging, hat sich jedoch der ghanaische Leiter des Projekts angenommen, sodass ich leider nicht weiß, ob diejenigen sofort Medikamente bekommen haben, oder was sonst mit ihnen passiert ist.

Im Anschluss gab es für uns alle noch lecker Yam mit Kotombre als Stärkung, bevor es wieder zurück nach Koforidua ging. Der Tag war unglaublich interessant, ich konnte sehr viel daraus mitnehmen und zudem hat es wirklich super viel Spaß gemacht und war keine Sekunde langweilig. Besser geht´s also kaum!