Sonntag, 24.03.2019

Spontaner Ausflug

Da möchte ich seit Jahren ins Fußballstadion und dann muss ich erst nach Ghana fahren, um diesen Traum wahr werden zu lassen.

Während unseres Halbzeitseminars in Accra hatte ein Freiwilliger die Idee, zu dem Gruppenqualifikationsphase für den “African Cup of Nations” zwischen Ghana und Kenia zu gehen.

Was haben wir uns alle gefreut, als unser Mentor uns die Erlaubnis gegeben hat! In Deutschland wäre so ein Programmwechsel auf Seminaren nicht auszudenken, aber dank Ghanas Flexibilität finden es die Betreuer nicht ganz so schlimm, wenn mal ein kompletter Nachmittag und Abend (für dieses Fussballspiel) drauf gehen.

Wir also am Samstagnachmittag mit dem Trotro los, das Dank uns 11 Leuten auch komplett voll war, sodass es uns direkt zum Stadion gebracht hat, ohne die ganze Zeit nervige Zwischenstopps einzubauen.

Bevor das Spiel dann aber losgehen konnte, war es natürlich unsere Pflicht, einige der absolut überteuerten Fanartikel zu kaufen, damit auch ja keiner auf die Idee kommen könnte, wir seien gegnerische Fans. Da wir uns  aber Plätze direkt hinter dem Fanblock ausgesucht hatten und dementsprechend schön mit eingeheizt haben, hatte spätestens da glaube ich auch keiner mehr Zweifel, zu welchem Team wir gehören ? die Fahnen und Schals wurden trotzdem fleißig geschwenkt!

Jetzt stellt sich die Frage: ist ghanaisches Fußball denn genauso wie deutsches? Natürlich nicht.

  • Es fing schon beim Ticketkauf an: ein Ticket für ein Länderspiel, bei dem es um was geht, kostete hier 5 bzw 10 Cedi. Das sind 1€ und 2€. Für ein Länderspiel. Aber für Ghanaer trotzdem eben nicht ganz so wenig Geld.
  • Nicht wirklich überraschend, gab es auch keine Bratwurst oder Bier im Plastikbecher vor dem Spiel zu kaufen, man hielt sich eher an Fleischspieße und Popcorn.
  • Die Sicherheitskontrolle bestand aus zwei Frauen und zwei Männern, die die Flasche in deiner Tasche angehoben, kurz drunter geplinst und dich dann durchgelassen haben. Hatte man keine Tasche, wurde man sofort weitergelassen. In Deutschland wohl eher undenkbar.

Im Stadion selber war ich dann überrascht, wie viele Leute doch gekommen sind, um sich das Spiel anzugucken. Spätestens bei Anpfiff waren fast alles Ränge voll und das Stadion umfasst immerhin 40.000 Plätze. Da war ich schon ziemlich beeindruckt!

Das lustige war, dass es hier in Ghana natürlich wieder nicht die technischen Möglichkeiten gibt wie in Deutschland, selbst im Stadion nicht. Klar gibt es schon auch Kameras und sogar eine Anzeigetafel, aber wenn zwei Männer am Anfang des Spiels eine Handwalze übers Feld schieben, um Unebenheiten auszugleichen, ist das schon irgendwie witzig ?

Tja und dann während des Spiels wurde natürlich fleißig die Stimmung angekurbelt, das hat so unglaublich Spaß gemacht! Allerdings auch hier wieder auf ghanaische Art und Weise mit Handtrommeln, Trompeten und ghanaischen Gesang. Letzteres war für uns dann doch eher ein wenig schwierig korrekt mitzumachen, wenn die Tonlage des Gesungenen allerdings einigermaßen gestimmt hat, hat es auch keiner der ghanaischen Fans gemerkt, dass der Text, den ich dazu gesungen hatte, nicht ganz so ghanaisch war ?.

Am Ende hat Ghana sogar 1:0 gewonnen, Torschütze war Jeffrey Schlupp, ein deutsch-ghanaischer Spieler, der in Hamburg geboren wurde. Na wenn das mal nichts damit zu tun hatte, dass wir an dem Tag da waren ?.

Nachtrag: Jeffrey Schlupp war gar nicht der Torschütze, sondern Caleb Ekuban, ein italienischer Fußballspieler kamerunischer Abstammung. Im Internet stand leider für ein paar Tage die falsche Auskunft... Da mir die Korrektur jetzt aber mein Ende des Blogs versauen würde, bleibt der Eintrag so und es gibt nur diesen Nachtrag. Und außerdem war Jeffrey Schlupp auch ohne Tor richtig gut, deswegen darf er da erwähnt bleiben ?.

Deutsch--ghanaischer Fanclub Handrasenwalze